Warum Sport für Kinder so wichtig ist

In der letzten Zeit gab es immer wieder Studien, die aufgezeigt haben, dass insbesondere Europäer immer dicker werden und damit Gesundheit und Leben massiv aufs Spiel setzen. Adipositas, Dauerbrenner der WHO, ist damit nicht mehr nur ein amerikanisches Problem, sondern hat auch unsere Gesellschaft fest im Würgegriff. Genetische Disposition und eine ausgewogene und gesunde Ernährung spielen zwar eine große Rolle in der Verhinderung von starkem Übergewicht, doch in Zeiten von Playstation, Computer und dem Familienauto wird der Sport im Leben unserer Kinder wichtiger, als er ohnehin schon ist. Sport ist nach wie vor eine der besten Versicherungen dagegen und stellt darüber hinaus eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung nicht nur für die Kleinen dar.

Sport für Kinder – nervig oder wichtig?

Kinder und Sport können eine tolle Kombination abgeben, mit Freude erinnere ich mich heute noch an die eigene Schulzeit, den Schulsport und die Jahre, in denen ich selber aktiv in einem Leichtathletikverein in Berlin Sport trieb. Während einige Schulkameraden ihn als eher lästig empfanden und nach kreativen Ausreden suchten, ihm fernzubleiben, konnte ich kaum den Start der Trainingseinheiten im Verein oder die wöchentlichen Schulsportstunden abwarten. Wenn ich mich heute an diese vielen Jahre des intensiven Sports erinnere, dann kann ich mit Bestimmtheit feststellen, dass es kaum eine Zeit danach oder davor gab, die mich so sehr in meinem Handeln und Denken prägte.

Heute scheint vieles anders zu sein. Laut Robert Koch Institut verbringt ein Grundschüler durchschnittlich neun Stunden im Liegen, neun Stunden im Sitzen, fünf Stunden im Stehen und nur eine Stunde in Bewegung. PC, Fernseher und Spielekonsolen, nicht die besten Freunde von Motorik, Reaktionsvermögen, Gleichgewichtssinn und Bewegungskoordination haben längst Einzug in die Kinderzimmer aller Gesellschaftsschichten gehalten. Und selbst der Bio-Wahn und die oftmals übertriebene Begabtenförderung täuschen nicht darüber hinweg, dass es der Sport ist, der so wichtig für die Gesundheit aber auch für die Sozialisierung unserer KInder ist.

Nur 21 Prozent der Kinder strengen sich beim Sport so stark an, dass sie auch ins Schwitzen kommen.

Eltern sind mehr denn je gefordert ihre Kinder zum Sport zu ermutigen und ihnen die vielfältigen Möglichkeiten aufzeigen. Auch der Schulsport ist eine gute Gelegenheit Kinder an den Sport heranzuführen. Zwar trägt der Kindersport in der Schule eher nicht zum Aufbau wahrer Fitness bei, denn dazu passiert er auch viel zu selten, aber er versteht sich als Möglichkeit für Kinder, Sportarten kennenzulernen und sie auszuprobieren, sich wenigstens einmal pro Woche zu bewegen und herauszufinden, was sie vielleicht als sportliches Hobby aufnehmen wollen. Dass man nicht alle Sportarten wie z.B. das Reiten in der Schule vorstellen kann, scheint verständlich und gerade in Großstädten oftmals auch umständlich. Dagegen lernen sie typische Mannschafts- und Ballsportarten kennen und begeistern sich oft  von ganz allein dafür. Und was für das ein oder andere Kind am Anfang noch als „nervig“ erachtet wird, kann am Ende betrachtet der Einstieg in ein Leben mit weniger gesundheitlichen Risiken sein.

In der Bewegung fehlt oft die Intensität

Vor 100 Jahre hatte ein Schulkind weitaus mehr Bewegung, selbst der Schulweg war damals 20mal weiter als heute. In der Gegenwart sieht es mittlerweile etwas düsterer aus – die Bewegung im Alltag unserer Kinder nimmt stetig ab, bei 4.500 untersuchten Kindern in der KiGGS-Studie zeigten sich  erhebliche motorische Defizite. So kam fast die Hälfte der Kinder bei Rumpfbeugen mit gestreckten Beinen nicht mehr mit den Fingerspitzen bis zum Boden, 86 Prozent schafften es nicht einmal einbeinig auf einer Schiene zu balancieren, ohne dabei den Boden zu berühren. Werden unsere Kinder immer fauler? Wir fit sind sie wirklich?

86 Prozent schafften es nicht einmal einbeinig auf einer Schiene zu balancieren, ohne dabei den Boden zu berühren.

Wenn man sich die Zahlen der Kinder- und Jugend-Gesundheits-Survey KiGGS anschaut, hat man auf den ersten Blick ein ganz anders Bild. Denn rund 95 Prozent der 4- bis 17-jährigen Kinder treiben Sport, mehr als die Hälfte sind sogar in einem Verein. Doch auch wenn viele Kinder angeben, Sport zu treiben, die Intensität dabei ist meist nicht besonders hoch: Nur 21 Prozent der Kinder strengen sich beim Sport so stark an, dass sie auch ins Schwitzen kommen. Das aber reicht nicht aus, um motorische Kompetenzen wie Beweglichkeit, Ausdauer und Koordination zu schulen, so die Studie. Denn erst die Intensität in der Bewegung trägt dazu bei, dass sich Muskeln für eine gute Körperhaltung aufbauen und für eine gute Ausdauer sorgen. Eine Stunde am Tag sollte ein Kind sich so stark bewegen, dass es auch wirklich ins Schwitzen kommt, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation. Doch das tun gerade einmal ein Drittel der Kinder und Jugendlichen.

Aller Anfang ist nicht schwer

Fernsehen direkt nach der Schule oder aus Langeweile, Playstation, Gameboy oder PC, sie alle sind oftmals Grund für die mangelnde Bewegung und viele Experten raten, den Medienkonsum stark einzuschränken. Aber sie alle sind nicht unbedingt der alleinige Grund. „Während sich Kinder vor vielen Jahren ihre Umgebung in konzentrischen Kreisen eroberten, lebt das Kind heute auf verschiedenen „Inseln“: Wohnung, Schule, Musikunterricht und Freunde. Die Brücken zwischen diesen Inseln sind inhaltslos, weil meistens jemand das Kind fährt“, sagt Dr. Frank Obst von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (BAG). Früher verabredeten sich Kinder auf dem Schulweg oder gingen einfach raus, es fand sich ja meist ein Spielkamerad in der Nachbarschaft. „Heute muss ein Kind nach der Schule erst einmal telefonieren. Und nicht immer haben seine Freunde Zeit, weil die auch einen Terminplan mit Musikschule, Verein etc. haben.“

Um Kinder für die Bewegung zu begeistern ist es wichtig, ihnen Freiräume zu lassen.

Um Kinder für die Bewegung zu begeistern ist es wichtig, ihnen Freiräume zu lassen. Sport für Kinder muss nicht gleich Leistungssport sein: wichtig ist die regelmäßige Bewegung, die mit der entsprechenden und notwendigen Intensität geführt wird. Teamsportarten sind sicherlich gute Sportarten, denn sie trainieren nicht nur regelmäßig überschüssige Pfunde ab sondern tragen zur Sozialisierung unserer Kinder bei. Am Ende ist es jedoch egal, für welche Sportart das Kind sich begeistert, denn: „Eine Stunde Sport pro Tag wirkt sich bereits positiv aus. Kinder sind weniger aggressiv, verfügen über ein höheres motorisches Niveau und haben weniger Unfälle. Sie gewinnen an Selbstvertrauen und die Bewegung bringt das Gehirn auf Touren, denn der Körper nimmt mehr Sauerstoff auf und durchblutet das Gehirn stärker. Kinder, die Sport hatten, sind lernbereiter und konzentrierter. Die Lust an der Bewegung sollte also gefördert werden, anstatt es aus Angst, es könnte etwas passieren, zu bremsen“, so Obst. „Auch die Erfahrung, mal zu stürzen, muss ein Kind machen. Natürlich in einem akzeptablen Rahmen.“

Kind und Sport: Freizeitbeschäftigung, Fitness, Kontaktmöglichkeit

Mehr Bewegung und Sport sind in der heutigen Zeit wichtiger denn je in der Entwicklung und Förderung der Gesundheit unserer Kinder. Aber auch die sozialen Strukturen des Sports in Form von Regeln, Normen, Werten und Rollen für das sportliche Handeln sind von wichtiger Bedeutung. Gute Freundschaften unter Kindern und das verantwortungsbewußte Handeln und Entscheiden entstehen oft durch den (Mannschafts-)Sport im Verein, den Trainern und die Vereinsarbeit. Je früher ein Kind in eine Mannschaft integriert wird, desto eher lernt es Gleichaltrige kennen und schließt auch außerhalb von Verein und Schule wichtige Freundschaften.

Der Sport für Kinder birgt also nicht nur gesundheitliche Vorteile, sondern bringt kurz- und langfristig auch viele andere Vorzüge mit ins Leben der jungen Sportler. Die Art des Sportes spielt dabei schon fast keine Rolle mehr, solange er den Kindern Spaß macht und sie sich dabei ausreichend bewegen und austoben können.

Weiterführende Links:

Übersicht über Bewegungsmöglichkeiten in Berlin für Kinder (Kinderkalender)
Übersicht über Fußballvereine in Berlin
1. Berliner Skateboardverein
Baseball in Berlin
Übersicht über Hockeyvereine in Berlin
Übersicht über Badminton-Vereine

Quellen: www.bag-haltungundbewegung.dewww.kiggs-studie.dewww.rki.de

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