Hardy & Heinar Brandstötter: Kitepioniere im Interview

Wir leben und lieben den Sport und haben uns bei Sponsor My Club vorgenommen, mit unserer Plattform den Amateur- und Breitensport noch intensiver zu unterstützen und zu fördern. denn wie Winston Churchill schon sagte „Keine Stunde im Leben, die man im Sport verbringt, ist verloren.“ In unserer neuen Rubrik „Ich und mein Sport“ möchten wir euch Menschen hinter dem Sport vorstellen und versuchen fast jeder Sportart ein Gesicht zu geben.

Vor kurzem haben wir mit zwei der bedeutendsten Akteure der internationalen Kite-Szene gesprochen, den Brüdern Hardy und Heinar Brandstötter vom Mondsee im Österreichischen Salzkammergut. Beide haben den noch relativ jungen Kitesport von Anfang an geprägt und mitgestaltet – also schauen wir mal was sie zu ihrem Sport, dem Sponsoring und darüber hinaus zu erzählen haben.

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Erinnert ihr euch noch an den Anfang eurer sportlichen Karriere?

Hardy: Natürlich, das war damals sehr abenteuerlich. 1997 mit einen 6qm Zweileiner Lenkdrachen ohne Ahnung wie das funktionieren sollte. Damals gab es ja keine Infos, Videos, etc. wie heute.

Heinar: Ja. So um 2002 herum hat mir Hardy ein Video gezeigt („Power Zone“), ein geiles Kitevideo. Zur selben Zeit hat sich Hardy zwei Naish Kites gekauft. Die habe ich mir ohne sein Wissen ein paar mal mit meinen Freunden ausgeborgt und im Selbstversuch auf einer Wiese ausprobiert. Uns hat es nur duch die Gegend geworfen. Aber bald hatten wir den Dreh heraus und dann hat mich Hardy vom Motorboot aus ein Mal Kiten lassen. Es hat sofort geklappt und ich war von diesem Zeitpunkt an süchtig.

Was bedeutet der Sport für euch ganz persönlich und welche Bedeutung sollte er für unsere Gesellschaft haben?

Hardy: Für mich hat er sehr viel bedeutet. Ich habe mich 15 Jahre meines Lebens intensiv damit auseinandergesetzt, mein heutiges Leben damit aufgebaut. Es war eine wunderschöne Zeit mit vielen Reisen, Erfahrungen, aber auch harte Arbeit vor allem zu Beginn. Ich musste eine Sportart verkaufen die keiner kannte. Das hat viel Zeit und Energie vor allem im Bereich Medienarbeit gefordert. Gesellschaftlich sehe ich ihn als die etwas exklusivere Funsportart. Abgesehen von einem gesunden Lebensstil, hat Sport natürlich eine sehr große gesellschaftspolitische Bedeutung. Im Sport werden Werte wie Toleranz und Fairness vermittelt, er führt Menschen unterschiedlicher Kulturen und sozialer Hintergründe zusammen (bestes Beispiel ist hier sicher der Fussball).

Heinar: Für mich ist Kiten von der wichtigsten Sache zur wichtigsten Nebensache der Welt geworden. Ich versuche das ich im Jahr mindestens 80 mal aufs Wasser komme. Dennoch habe ich jetzt mehr Verantwortung in meinem Leben und somit muss sich der Sport leider etwas hinten anstellen. Früher war es umgekehrt. Da war alles dem Kiten hinten angestellt. Für die Gesellschaft ist es ein besonderer Sport, der aber eine gewisse Überwindung und einen gewissen Aufwand benötigt (Warten auf Wind, Kostspielig, Zeitintensiv). Ich denke, dass sich in unserer Gesellschaft jeder Mensch ein wenig hervorheben will und in gewisser Weise ein Individualist sein will. Dafür ist der Sport gut geeignet. Ich denke nicht, das Kiten ein Breitensport wird.

Welches sind eurer Meinung nach die größten Probleme, mit denen sich heute Sportler und Sportvereine auseinander setzen müssen?

Hardy: Meiner Meinung nach mit der nicht mehr so selbstverständlichen Ehrenamtlichkeit. Ich habe früher mit meine Kollegen aus der Schweiz richtig große Snowkite Events organisiert. Heute ist alles minimal ausgerichtet da es kaum noch Leute gibt die ihre Freizeit für den Sport opfern und maximal einen Schulterklopfer dafür bekommen.

Heinar: Hier stimme ich meinem Bruder natürlich zu und würde noch sagen, dass es nicht wie früher die langfristige Bindung an Vereinen gibt. Die Menschen sind zu sprunghaft geworden und da schliesse ich mich selbst nicht aus. Am Anfang ist noch jeder engagiert, aber das lässt schnell nach.

Welche Rolle spielt die Finanzierung eurer vielen Sportarten?

Hardy: Bei mir war es eine wesentliche Rolle. Du benötigst das beste Material und bei manchen Sportarten wie dem Speedflying kann das Leben davon abhängen – da darf nicht gespart werden. Sponsoren und Medien pflegen war immer viel Büroarbeit. Funsport oder Extremsport und Bürositzen ist oft ein Widerspruch.

Heinar: Eine Große. Noch habe ich Sponsoren, die mir das Material im Kitesport zur Verfügung stellen. Somit habe ich Geld übrig für andere Sportarten. Aber dass wird sich leider einmal ändern. Dann muss man sich überlegen, welche Sportart man sich leisten will und kann. Ausserdem reicht die Zeit leider nicht aus alle Sportarten mit vollem Engagement zu betreiben.

Erzählt uns etwas mehr über die Zusammenarbeit mit euren Sponsoren.

Hardy: Mein Schlüssel zum Erfolg war zum einen, dass ich mich immer um die breiten Massenmedien und nicht um Fachmagazine bemüht habe. So hatte ich eine sehr breite Streuung und richtig viele Medienkontakte. Zum anderen hatte ich Sponsoren die nicht aus der eher Budgetschwachen Kitebranche waren. Und ich habe durch mein Marketing oft einem Sponsor neue Märkte eröffnet.

Heinar: Ich hatte Glück sehr früh einen Kitesponsor zu finden bzw. gefunden zu werden – seit 12 Jahren fahre ich nun für die selbe Firma. Ich bin selbst kein Medienprofi und daher bin ich nicht für jeden Sponsor geeignet. Aber ich denke, dass ich mit meiner Art besonders zu dieser Marke passe und mein Sponsor größten Teils auch mit meiner Arbeit zufrieden ist.

Gab es oder gibt es auch weitere Finanzierungsmöglichkeiten, alternativ zum Sponsoring, die ihr nutzt um eure Sportprojekte zu realisieren?

Hardy: Nein, gab es bei mir nicht. Für mich war der Kitesport so wie ich ihn betrieben habe ein Einzelsport. So habe ich das für mich auch beim Sponsoring betrieben und ich bin damit sehr gut gefahren. Ich hatte zwar damals das Snowkiting Team Austria gegründet. Das erfolgreichste Snowkite – Team der letzten zehn Jahre. Für das Team hatte ich Sponsoren in Form von Ausstattern und als solches haben wir auch immer wieder Werbeprojekte für Firmen wie Audi, Uniqa, Coca Cola etc. umgesetzt. Am Ende hat sich dann aber jeder für seine persönlichen Projekte selbst einsetzen müssen. Ich denke wir hatten damals wirklich die Gunst der Stunde genutzt. Heute möchten viele Firmen mit dem Kitesport werben da er so schön bunt und fetzig ist, wenn es dann aber um eine faire Bezahlung geht, dann sieht die Sache schon wieder anders aus. Mittlerweile ein generelles Problem am Werbemarkt.

Heinar: Nein. Ich hätte zwar meine Eltern fragen können ob sie mich unterstützen, aber das wollte ich nicht. Ich bin mir aber sicher, dass Sie es gemacht hätten.

Welche Ratschläge würdet ihr Sportvereinen und Sportlern bezüglich der Finanzierung von Sportprojekten geben?

Hardy: Die Welt verlangt immer aussergewöhnlicheres. Wenn das sportlich nicht erreichbar ist dann vielleicht mit aussergewöhnlichen Imagetransfers und Ideen.

Heinar: Ich bin nicht in der Lage, einem Verein Ratschläge zur Finanzierung zu geben, da ich auf diesem Sektor selbst nicht sehr bewandert bin. Ich kann bei Ausführungen von Veranstaltungen hilfreiche Tipps geben aber nicht bei der Finanzierung.

Und zum Schluss: Bitte erzählt von euren größten sportlichen Errungenschaften – vielleicht vom waghalsigsten Stunt oder Abenteuer?

Hardy: Ich habe 2008 als erster Mensch mit einem Schlitten der Länge nach den Baikalsee in Sibirien überschritten. Je nach Eisbeschaffenheit und Wind war ich zu Fuss oder mit dem Kite unterwegs. Das ganze hat 17 Tage gedauert da das Eis und Windbedingungen sehr schwierig waren. In Summe waren es 1080 Kilometer. Bei dem „Solo in Syberia“ Projekt habe ich zB. über die russischen Medien die darüber berichtet haben meinem Sponsor „The Heat Company“ den russischen Markt eröffnet. In den Medien war The Heat Company sehr präsent. Und ihr Produkt (Spezial Handschuhe) passen in die Kälte Russlands ideal. So habe ich mit relativ wenig finanziellen Einsatz für die Firma eine große Streuung erreicht. Das habe ich fast immer so betrieben und deshalb waren meine Sponsoren immer sehr glücklich mit mir.

Heinar: Sportliche Erfolge waren sicher die zwei Vize-Weltmeister Titel. Aber für mich persönlich war der Sieg der letzten Staatsmeisterschaft sehr bedeutend, da ich sicher nicht mehr der beste Österreicher bin und der Titel vor zwei Jahren sehr unerwartet kam.

Vielen Dank euch Beiden für eure Zeit, Sponsor My Club wünscht euch weiterhin viele sportliche Erfolge und Abenteuer ohne Hals- und Beinbruch. Hang loose!


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